Unsachgemäße Kühlgeräteentsorgung: Bosch, Miele & Co. heizen Klimawandel an und zerstören die Ozonschicht

12.07.18 20:18 | Kategorie: | Von: Deutsche Umwelthilfe e.V.

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Berlin (ots) - Unsachgemäße Entsorgung alter Kühlschränke schädigt massiv die Umwelt - Kühlgerätehersteller setzen auf Intransparenz bei der Entsorgung ihrer Geräte und lassen beauftragte Recycler sich selbst kontrollieren - Deutsche Umwelthilfe setzt Herstellern eine kurze Frist zur Umstellung des Recyclings und kündigt andernfalls ab Herbst "kreative Aktionen" gegen die Unternehmen an - Unabhängige und neutrale Überprüfung beauftragter Recycler sowie die Veröffentlichung von Auditberichten notwendig

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert, dass Deutschlands führende Kühlgerätehersteller Bosch, Miele, Bauknecht, Liebherr und Electrolux eine unsachgemäße Entsorgung ausgedienter Kühlgeräte durch unseriöse Recycler zum Zwecke der Profitmaximierung in Kauf nehmen. Durch die zweifelhafte Entsorgung von jährlich hunderttausenden FCKW-haltigen Kühlgeräten wird die Ozonschicht geschädigt und der Klimawandel weiter angeheizt.

Nach Berechnungen der DUH können die jährlich in Deutschland entweichenden Klimagase aus der Kühlgeräteentsorgung die Atmosphäre so stark belasten, wie umgerechnet eine Million Tonnen Kohlendioxid. Vor dem Hintergrund neuer Forschungsergebnisse zum besorgniserregenden Zustand der Ozonschicht und dem beschleunigten Klimawandel fordert die DUH in einem persönlichen Schreiben an die verantwortlichen Geschäftsführer der fünf großen deutschen Kühlgerätehersteller Karsten Ottenberg (Bosch), Jens-Christoph Bidlingmaier (Bauknecht), Brian Fogh (Electrolux), Andreas Böhm und Kristian Koch (beide Liebherr) sowie Markus Miele und Reinhard Zinkann (beide Miele) echten Klimaschutz und die Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Entsorgung alter Kühlgeräte. Sie tragen persönlich die Verantwortung für Umweltschäden durch unsachgemäße Entsorgungspraktiken.

Die DUH fordert von den Geschäftsführern der größten deutschen Kühlgerätehersteller, den beauftragten Recyclern international anerkannte Entsorgungsnormen nicht nur auf dem Papier vorzuschreiben, sondern deren Einhaltung durch eine konsequente und unabhängige Kontrolle sicherzustellen. Doch genau dies geschieht nach Einschätzung der DUH bislang nicht. Der Umwelt- und Verbraucherschutzverband wirft den Kühlgeräteherstellern deshalb vor, internationale Bemühungen zum Schutz der Ozonschicht und des Klimas durch eine rein auf Profit ausgerichtete Unternehmenspolitik zu torpedieren.

"Wir nehmen nicht länger hin, dass ausgediente Kühlgeräte unsachgemäß entsorgt werden, nur um pro Gerät einige paar Euro mehr Gewinn zu machen. Wir haben den Geschäftsführern unseren Kenntnisstand ihrer klimapolitischen Fehlleistungen mitgeteilt und diese aufgefordert, die Umsetzung vorbildlicher europäischer Entsorgungsstandards umgehend sicherzustellen. Hierzu müssen die beauftragten Recycler an die Kandare genommen und kontrolliert werden. Wenn dies bis Herbst nicht durch Auditberichte glaubhaft belegt wird, dann werden wir mit 'kreativen Aktionen' gegen das schmutzige Entsorgungsgeschäft vorgehen", sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Nach dem gesetzlich vorgegebenen Stand der Technik müssen aus alten Kühlgeräten mindestens 90 Prozent der enthaltenen Treibhausgase entnommen werden. Tatsächlich sind es in deutschen Recyclinganlagen aber deutlich weniger, da viele Anlagen FCKW aus der Isolierung der Kühlgeräte nur unzureichend zurückgewinnen und bei der Mengenermittlung fälschlich Wasser als FCKW werten.

Die DUH fordert die Hersteller Bosch, Miele, Bauknecht, Liebherr und Electrolux dazu auf, die europäischen Entsorgungsstandards EN 50625-2-3 und CLC/TS 50625-3-4 den Recyclern bei der Kühlgerätebehandlung vorzugeben und deren Umsetzung wirksam zu kontrollieren. Hierfür sind vollständige Prüfungen auf Basis der EU-Standards durch extern beauftrage neutrale Prüfer zwingend erforderlich. Darüber hinaus sollten die Auditberichte veröffentlicht werden, damit unplausible Prüfergebnisse entdeckt werden können. Doch genau dies geschieht ebenfalls nicht.

"In seinen Nachhaltigkeitsberichten brüstet sich der Kühlgerätehersteller Bosch mit seinem Umweltengagement. Mit der Realität hat das wenig zu tun, denn die Entsorgungspraxis in Deutschland gehört zur schlechtesten in ganz Europa. Die Kühlgerätehersteller sind nicht bereit, Auditberichte beauftragter Recycler offenzulegen und setzen stattdessen auf Intransparenz. Deutschlands führende Kühlgeräteproduzenten haben scheinbar kein Interesse an einer guten Entsorgung nach dem Stand der Technik", kritisiert der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer. Auch nach mehrmaligen gezielten Nachfragen der DUH verweigerte beispielsweise der Marktführer Bosch den Nachweis, dass die beauftragten Recycler Kühlgeräte unter vollständiger Einhaltung der europäischen Entsorgungsstandards EN 50625-2-3 und CLC/TS 50625-3-4 oder deren Vorgängernormen verwerten.

Besonders scharf kritisiert die DUH die bisherige Verfahrensweise, dass sich die von Kühlgeräteherstellern beauftragten Recyclingunternehmen ihre Prüfer zur Auditierung von Entsorgungsnormen selbst aussuchen dürfen. "Niemand käme auf die Idee einen Autofahrer sich selbst auf Alkohol kontrollieren zu lassen. Doch nach genau diesem Prinzip wird bei der Auditierung zur Einhaltung von Entsorgungsnormen verfahren. Die Kühlgeräterecycler dürfen sich ihre eigenen Prüfer auswählen. Die Gerätehersteller akzeptieren dieses Verfahren. Ganz offenkundig interessiert diese vor allem ein möglichst niedriger Entsorgungspreis und nicht die Qualität sowie der Umweltschutz", kritisiert Resch.

Hintergrund:

Die unsachgemäße Entsorgung von Kühlgeräten, die FCKW oder andere Klimagase enthalten, trägt dazu bei, dass sich durch unnötig freigesetzte FCKW die Ozonschicht nicht wie erwartet erholt, sondern sogar weiter abbaut und dadurch UV-Strahlung Menschen gesundheitlich gefährdet. Doch nicht nur die Ozonschicht wird geschädigt, sondern auch der Klimawandel ungebremst angeheizt. Die im Kühlmittel und der Isolierung enthaltenen Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) eines Kühlschranks besitzen ein Treibhauspotential von 2,8 Tonnen CO2. Das entspricht dem CO2-Ausstoß eines Mittelklasse-Fahrzeugs mit einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometern.

Durch die Vorgabe und Kontrolle der europäischen Entsorgungsstandards EN 50625-2-3 und CLC/TS 50625-3-4 beim Kühlgeräterecycling kann ohne großen Aufwand und ohne teure Förderprogramme jährlich die Freisetzung von Klimagasen in der Größenordnung von bis zu einer Million Tonnen CO2-Äquivalente in Deutschland verhindert werden. In vielen EU-Staaten, wie etwa Frankreich, Irland, Luxemburg, Niederlande, Schweiz und Österreich werden die europäischen Entsorgungsstandards oder deren Vorgängernormen bereits verbindlich vorgeschrieben.

Links: Eine Übersicht zur vermeidbaren Belastung des Klimas durch die fünf größten deutschen Kühlgerätehersteller und über die Verantwortung von deren Geschäftsführern finden Sie unter http://l.duh.de/kuehlgeraete Das Hintergrundpapier zur Kühlgeräteentsorgung auf Deutsch und Englisch sowie weitere Informationen finden Sie unter: http://l.duh.de/kuehlgeraete Stellungnahme der DUH zum Entwurf der TA Luft finden Sie unter: http://l.duh.de/s5w27