Frauen auf dem Vormarsch Das Rosenhang Museum in Weilburg setzt den Schwerpunkt auf Künstlerinnen (FOTO)

13.02.20 20:20 | Kategorie: | Von: Rosenhang Museum

  • Katrin Kampmann / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/127810 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Veröffentlichung bitte unter

Weilburg (ots) - Landschaftlich schön und reich an Kultur und Geschichte - die Gegend um die ehemalige nassauische Residenzstadt Weilburg beherbergt eine ganze Reihe erwähnenswerter Besonderheiten. Seit 1973 findet jährlich im Sommer die Konzertreihe der "Weilburger Schlosskonzerte" statt, mit einem Programm, das weit über die Grenzen der Stadt enorme Beachtung genießt. Weltweit einmalig ist das "Weilburger Tunnelensemble". Tunnel für die Schifffahrt, die Eisenbahn und den Autoverkehr wurden nebeneinander angelegt; eine mutige Entscheidung in der Verkehrsplanung früherer Zeit. Im Jahre 2017 eröffnete in Weilburg das privat betriebene Rosenhang Museum und ist seit Beginn an Zweifels ohne eine kulturelle Besonderheit der Region zwischen Frankfurt und Koblenz. Direkt an der Lahn gelegen wurde von den Initiatoren das Gebäude einer ehemaligen Brauerei behutsam hergerichtet und dient in der neuen Nutzung als Museum reizvoll im Spagat zwischen "verlorenem Ort" und zeitgenössischem Design, zwischen Industriedenkmal und lebendigem Kulturzentrum. Und, das Museum hat einen wichtigen Schwerpunkt: Kunst von Frauen. Bedeutsam ist, dass es nicht ausschliesslich Kunst von Frauen zeigt, denn das, so Museums-Chefin Antje Helbig, hätte nur zur Folge, dass der Status quo in der Kunstszene zementiert würde und Kunst von Frauen als das Unerwartete, das Aussergewöhnliche gelte. "Dass Kunst auch von Frauen gemacht wird, sollte einfach selbstverständlich sein." Aussergewöhnliches wird nur in einem willkommen geheissen: in der Qualität. Die Förderung von Frauen in der Kunst, die beispielsweise durch die dauerhafte Pflege und einen eigenständigen Diskurs betrieben wird, die durch Ankäufe, Ausstellungen und die Übernahme in die Sammlung des Rosenhang Museums dokumentiert wird, zeigt sich an den für den Museumsbestand erworbenen Kunstwerken von Elvira Bach, Cornelia Schleime, SEO und beispielsweise Anna Kubach-Wilmsen. Nachhaltig wird in Wechselausstellungen die Kunst von Frauen vorgestellt, so u. a. von der Fotografin Kiki Kausch, von den Malerinnen Barbara Ullmann, Elisabeth Tatenberg, Katrin Kampmann und Sabina Sakoh. Letztere stellt die Frau als Kämpferin gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit in den Mittelpunkt ihres Schaffens. In Cornelia Schleimes künstlerischem Lebenswerk beobachtet die Frau mit klarem Blick das Geschehen um sie herum. Mit ihrer Sicht von innen nach außen, verführt sie den Betrachter, ihren Reisebeobachtungen zu folgen. Elvira Bach hingegen positioniert in ihren dauerhaften Selbstinszenierungen stellvertretend das Frauenbild als Verkörperung von Erotik, Macht und Stärke. Mit der aus Korea stammenden Künstlerin SEO hat das Rosenhang Museum einen sakralen Raum geschaffen, in dem eine überdimensionierte Klanginstallation untergebracht ist, in der die Künstlerin das Zusammenspiel zwischen Kultur und Gesellschaft, zwischen Mann und Frau, aber auch zwischen Macht und Religion darstellt. In sogenannten "Atelier"-Ausstellungen werden die Aktivitäten des Museums durch die Präsentation von jungen Künstlerinnen ergänzt. Noch nicht so bekannte weibliche Positionen wie etwa die von Lilli Elsner, Annette Merrild, Barbara Niesen, Ursula Vogel und Renate Kuby werden in dieser Programmreihe vorzugsweise gezeigt. Im Vergleich zu früheren Generationen sind Frauen in der zeitgenössischen Kunst heute sehr viel präsenter. War eine populäre Künstlerin wie etwa Frieda Kahlo zwar in den 30/40er Jahren des letzten Jahrhunderts möglich, aber dennoch in ihrer Zeit die ganz grosse Ausnahme. Heute hingegen sind Künstlerinnen zahlreicher, präsenter und anerkannter. Aber es steht da längst nicht alles zum Besten, sonst wäre die Frage der "Guerilla Girls" aus New York nicht möglich: "Müssen Frauen nackt sein, um ins Museum zu kommen?" Deren statistische Aussage, dass weniger als fünf Prozent der Kunstschaffenden in den Museen der Moderne Frauen sind, aber 85 Prozent der dargestellten Akte weibliche, stimmt wohl immer noch. Auch wenn das teils dadurch bedingt ist, das Männer nur eingeschränktes Interesse an der Darstellung ihres eigenen Geschlechts haben, bleibt es bedenkenswert. Hier setzt die kulturpolitische Strategie des Rosenhang Museums an. Auf mehr als 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche zeigt das Museum eine beeindruckende Sammlung mit wichtigen Werkgruppen und einzelnen Kunstwerken zeitgenössischer deutscher und internationaler Künstler von Rang. Durch ein permanentes Programm an Wechselausstellungen wird dem Besucher Einblick in aktuelle Strömungen und Tendenzen des Kunstgeschehens vermittelt. Explizit mit dem Schwerpunkt auf Künstlerinnen. Das ist auch ein perfekter Zusammenklang mit der gewandelten Rolle, die Museen im heutigen Kulturleben spielen: Nicht nur Bewahren und Pflegen der Zeugnisse der Vergangenheit, sondern auch die teilhabende Ermöglichung aktuellen Kulturschaffens. Zeitgenössische Kunst, also eine Kunst, die die aktuelle gesellschaftliche Diskussion auf dem Niveau der Ästhetik führt, zu sammeln und in Ausstellungen zu zeigen, hat natürlich auch Aspekte von Politik, Gesellschaftspolitik, und leistet zur kulturellen wie zivilisatorischen Weiterentwicklung einen kaum zu überschätzenden Beitrag. Wie ernst das in Deutschland genommen wird mag man daran erkennen, dass die Museen in der Bundesrepublik im Jahr mehr Besucher haben als die Fussball-Bundesliga Zuschauer. Das Rosenhang Museum ist ein Privatmuseum ohne staatliche Subventionen, fühlt sich dennoch sowohl der Region wie auch den Kunstschaffenden und Kunstfreunden aus dem ganzen Land verpflichtet, dies nicht nur in der Präsentation von bildender Kunst, sondern auch durch die Ausstellungen flankierende Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte, Theater, Performances und Vorträge zu kulturpolitischen Themen. Bedeutende Statements, zu denen Künstler, Kunst und Museen mehr denn je einen Beitrag leisten sollten. Das Rosenhang Museum und seine Betreiber fühlen sich dieser Aufgabe verpflichtet.